Treffen mit dem Sheik
by admin • April 12, 2012 • Uncategorized • 0 Comments
Einen Tag nach unserem Treffen beim Bürgermeister besuchten wir Arab, das älteste Viertel in Erbils Zentrum. Dort trafen wir auf einen Scheich, dessen Familie seit 150 Jahre in Arab wohnt – und er war trotzdem nicht informiert über die jetzigen Planungen. Er hatte wirklich überhaupt keine Ahnung! Wir waren schockiert und begannen sofort, ihm die wichtigsten Aspekte des Projektes zu erläutern. Jeder Stadtplaner weiß, wie wichtig es ist, die betroffene Bevölkerung frühzeitig und umfassend über ein Sanierungsprojekt zu informieren. Offenbar muss diese Arbeit, zumindest teilweise, hier in Erbil jetzt noch nachgeholt werden. Parallel muss es auch Qualifizierungsmaßnahmen geben für die Architekten, Planer und Bauingenieure, die an der Sanierung dieses potentiellen Weltkulturerbes arbeiten. Außerdem sollen Stadtteilbüros entstehen, die den hier lebenden Menschen anhand der UNESCO-Richtlinien nahebringen, wie das Sanierungsprojekt um Zitadelle und Pufferzone konzipiert wird. Im Idealfall könnten diese Büros darüber hinaus Treffpunkte in der Nachbarschaft werden, in denen Mieter und Eigentümer, Investoren und Planer zusammen kommen und sich über ihre Vorstellungen austauschen. Wie gesagt: im Idealfall. Je größer die Transparenz eines Sanierungsprojektes und je besser die soziokulturelle Verankerung, desto erfolgversprechender ist das gesamte Vorhaben. Erst recht ein so kompliziertes und spektakuläres wie dieses. Eigentlich versteht sich das ja von selbst, man muss diese Aufklärungsarbeit aber eben auch vor Ort konsequent angehen. Bei dem alteingesessenen Scheich hatten wir jedenfalls mit unserer improvisierten Informationsveranstaltung Erfolg. Nachdem er uns zum Essen eingeladen hatte, sagte er uns seine Unterstützung zu.
